Swipe, match, hi, vorbei? – How to Tinder

Swipe, match, hi, vorbei? – How to Tinder

Tinder – Ein Wort, das beim Aussprechen dem Gegenüber auf jeden Fall eine Emotion, die deutlich im Gesicht abzulesen ist, hervorruft. Sei es ein seliges Grinsen, oder eine komplette Gesichtsentgleisung. Die Gesichtsmuskulatur verrät sofort die subjektive Meinung über die wohl bekannteste Datingapp. “10 Tipps für mehr Matches bei Tinder.”, “5 Tinder-Typen, die jeder kennt!”, “Mit dieser Tinder-Profil-Beschreibung bekommst du jede rum!”, sind nur ein schwindend geringer Auszug der Beiträge, die man im Netz zum Thema Tinder findet. Online-Dating ist in aller Munde und aus unserer digitalisierten Gesellschaft mittlerweile nicht mehr wegzudenken. Ja, auch ich habe mein Glück versucht und meine ganz persönlichen Erfahrungen gemacht, obwohl ich anfangs ein absoluter Gegner der App gewesen bin. Jahrelang habe ich mir Stories meiner Freunde angehört und, ohne selbst Erfahrungen mit ihr gemacht zu haben, beschlossen: Tinder ist etwas für Menschen, die im realen Leben, den Mund nicht aufbekommen, ungern vor die Tür gehen, wegen ihres äußeren Erscheinungsbildes auf dem Singlemarkt eher untergehen oder eben alles zusammen! Jetzt stellt sich natürlich die Frage, wie es Tinder, entgegen meiner Einstellung, doch aus dem AppStore auf mein Handy geschafft hat. Ich hatte auf meinen Geschäftsterminen in ganz Deutschland viele Menschen getroffen, die sich über Tinder unterhalten haben. Einige davon sind mit ihrem ersten Date mittlerweile verheiratet und haben gemeinsame Kinder, andere berichteten von positiven Überraschungen, durch die sie ganz neue Seiten an sich kennengelernt haben oder guten Freundschaften, die daraus entstanden sind, auch wenn es als Paar eben nicht geklappt hat. Ich wurde neugierig und aus einer Weinlaune heraus, habe ich mich dann letztendlich dazu entschlossen selbst mit dem Swipen zu beginnen.

So viel zu mir, denn ich möchte eines klar sagen: In diesem Post soll es nicht um irgendwelche Stories gehen, die ich mit Tinder erlebt habe! Ich möchte meine Erfahrungen und die meiner Freunde und Bekannten zusammenfügen und daraus die Vor- und Nachteile beleuchten, die Tinder durch das jeweilige Nutzerverhalten mit sich bringt. Hierzu habe ich mich natürlich umgehört und einige Personen zu diesem Thema regelrecht ausgequetscht. Hört sich jetzt irgendwie wissenschaftlich an, ist es auch irgendwie ein bisschen, denn für die, die es noch nicht wussten: Als Soziologin ist ein solches Thema für mich natürlich ein gefundenes Fressen 😉 (an dieser Stelle sollte ein Evil-Emoji stehen)

Wie ich bereits festgestellt habe, ist Tinder in der Gesellschaft und Online-Dating im Allgemeinen ein anerkannter Weg, einen Partner zu finden. Aus diesem Grund fiel es mir auch nicht schwer genügend “Datenmaterial” zusammenzusammeln, um zu folgenden Erkenntnissen zu gelangen.:

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RICHTIG ist das Zauberwort!

Instagram, Facebook, WhatsApp, YouTube etc. sind die sozialen Medien unserer Zeit. Wir kommunizieren darüber mit Freunden, Partnern, Familie und Kollegen, lernen neue Leute kennen, vernetzen uns weltweit und holen uns Tipps und Inspirationen. Wir shoppen online, bestellen unser Essen online, erledigen unsere Bankgeschäfte und unsere Steuer online, buchen Hotels und Arzttermine – alles online. Ein Klick auf dem Smartphone reicht und unser Leben ist organisiert. Man kann diese Entwicklung verteufeln, aber auch genauso gut die darin liegenden Chancen sehen und richtig nutzen. RICHTIG ist hierbei das Zauberwort, denn genau darauf kommt es auch bei der Nutzung von Tinder an! Warum? Weil wir es trotz der Anonymität, in der wir uns (so denken wir) im Internet bewegen immer noch echte Menschen sind, mit denen wir Kontakt aufnehmen und uns zu Dates treffen. Nur weil die Inititation eines solchen Dates online entstanden ist, heißt dies nicht, dass es nicht wie ein klassisches “oldschool” Date zu verlaufen hat. In diesem Punkt sind sich alle “Befragten” einig. Doch irgendwie passen die Erfahrungen und Einstellungen, die ich zu hören bekam und selbst erlebt habe, nicht so richtig mit dieser obersten Prämisse des “How-to-Tinder” überein. Folgende Beispiele habe ich zusammengetragen, die irgendwie nicht so ganz “matchen”. Aber lest selbst:

 

Welche Fehler sollte man bei seinen Profilfotos vermeiden?

Ein Herr sagt:

 “Boah, des nervt mich so! Die Mädels sehen auf ihren Bildern immer super aus! Top Figur, hübsches Gesicht, alles klasse! Dann stehen die vor mir und du fragst dich ernsthaft, ob das die gleiche Person ist.”

und von der gleichen Person:

” Ja, also ich nehme generell immer ein Bild im Anzug, weil Frauen darauf eben stehen und gut, ich hab aktuell keinen Bart, aber die Bilder von damals kommen einfach besser an!”

Und jetzt eine Dame:

“Der Typ hat so richtig stylish und sportlich gewirkt. Surfer, sieht im Anzug top aus, genau mein Typ und dann steht er vor mir im Schlabbershirt mit Loch! Einmal im Leben ein Surfbrett in der Hand gehabt und bei der Schwerster auf der Hochzeit den Konfirmationsanzug angehabt. Absoluter Fake!”

und dann das:

“Ach, das kennen wir doch alle. Manchmal ist das Bild echt schön, aber man sieht irgendwie bisschen “unvorteilhaft” drauf aus. Zum Glück gibt es da ja Apps 😉 Kennst du eigentlich schon die, mit der man sich die Nase kleiner und die Augen größer machen kann?”

 

Was stört dich an der schriftlichen Kommunikation?

“Nach einer Weile wechselt man ja meisten auf WhatsApp oder so. Diese blauen Haken! Ganz ehrlich, ich raste da aus! Hat meine Nachricht vor Stunden gelesen, ist ständig online und antwortet nicht! -Hier könnte ihr Schimpfwort stehen- “

aber dann:

“Ja gut, man muss mich ja interessant machen. Wenn man da sofort antwortet wirkt man ja gleich total needy. Ich klicke die Nachricht dann einfach mal an, dass da blaue Haken sind und zu busy wirke, um gleich zu antworten.”

 

Wie denkst du über das Thema “Exklusivität”?

“Ganz ehrlich: Wenn das Date doch gut lief und so, dann fände ich es schon bescheuert, wenn er/sie sich mit anderen trifft oder ewig schreibt. Auf so was hab ich echt keinen Bock! Immer diese Leute, die meinen, sie könnten was verpassen und ständig auf der Suche nach jemand noch besserem sind. Man muss sich doch mal auf was einlassen, wenn man merkt, die Chemie hat gestimmt. “

dann aber auch:

“Ja gut, klar schreibe ich mit mehreren gleichzeitig und habe schon parallel gedatet. Ich meine, man kann am Anfang ja nicht gleich von Exklusivität sprechen! So schnell hab ich da keinen Vertrag mit!”

 

Wie sollte man sich auf keinen Fall verhalten, wenn man merkt, dass es doch nicht so richtig passt?

“Ich rege mich da echt nur noch auf! Von jetzt auf gleich einfach nicht mehr antworten! Wie respektlos ist das eigentlich? Und dann aber meine Stories schauen und meine Posts liken. Neulich hat sich einer nach ein paar Wochen sogar wieder aus dem Nichts gemeldet! Was soll der Mist denn? Immer diese Ghoster, Bencher, Orbiter und wie sie alle heißen… Man kann doch einfach ehrlich sagen, wenn es nicht passt!”

ihr ahnt es bereits:

“Ich meine, ääähm, wir haben ein paar mal geschrieben und uns drei oder vier Mal getroffen. Das ist aber einfach nix gewesen. Ich hab dann auch ehrlich gesagt vergessen zu antworten und als mir das dann nach einer Woche aufgefallen ist, wollte ich dann auch nix mehr schreiben. Ich will ja niemanden verletzen…”

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Die Gespräche endeten meistens mit einem ertappten Gesicht und einem “War blöd, merkste selbst, ne?”

Ich habe mir die Frage gestellt, woran es denn jetzt genau liegen könnte, dass man sich beim Online-Dating verstellt, vermehrtes Misstrauen entwickelt und sich gerne mal mirnichtsdirnichts aus dem Staub macht, wenn das Match dann eher doch nicht so matchen will wie erhofft?

Meines Erachtens nach liegt die Grundproblematik bei den Punkten Anonymität & Angebot, die durch die zunehmende Digitalisierung und die sozialen Medien entstanden sind.

Man lernt sich nicht in in einer Bar kennen, auf der Arbeit, bei Freunden oder sonst wo, sondern eben beim Swipen in der Bahn, in Jogginghose auf der Couch oder eventuell auch auf dem stillen Örtchen. Zack, zack, ein paar Minuten gewischt und man hat die ersten Matches gesammelt. Je länger und beiläufiger man Tinder benutzt, desto “abgestumpfter” wird man. Man nimmt die Person am anderen Ende der App nicht mehr als Person war, der man theoretisch auch in der Stadt über die Füße laufen könnte, sondern eher anonym. Je anonymer man sich fühlt, desto eher ist man dazu geneigt Dinge zu “beschönigen” oder zu erfinden, die man bei einer Face-to-Face-Situation entweder gar nicht umsetzen könnte (Beispiel aufgehübschte Profilbilder) oder man sich gar nicht trauen würde. Ein weiterer Faktor, der durch übermäßiges Swipen eintritt, ist die Angst, etwas zu verpassen. Durch das große und einfach zugängliche Angebot an potentiellen Partnern könnte man ja vielleicht doch noch jemand schöneres, tolleres, schlaueres oder aufregenderes finden, als denjenigen, dem man gerade gegenüber sitzen hat und mit dem es eigentlich richtig gut läuft. Man konzentriert sich nicht mehr auf eine Person, sondern sucht weiter und weiter nach Mr. oder Mrs. Right und verpasst damit vielleicht wirklich etwas. Nämlich das, was nach einer gewissen Zeit, mehreren Treffen, Telefonaten und Messages richtig gut gepasst hätte. Denn was man durch die ganze heutige Schnelllebigkeit gerne mal vergisst ist, das bestimmte Dinge ihre Zeit brauchen. Sympathien füreinander hat man nach einem Date, oder eben nicht – das merkt man schnell. Doch trotz einer nicht zu verachtenden Sympathie bei einem Treffen ist es häufig die Regel, dass es kein zweites Treffen gibt und die schriftliche Kommunikation auch einschläft.

“Ja also eigentlich war sie mir schon richtig sympathisch, wir haben viel gelacht und sonst hat es auch ganz gut gepasst. Ich habe mich aber einfach nicht verknallt und da hab ich auf dem Heimweg mal ein paar anderen Matches geschrieben. War aber nichts dabei, also hab ich mich nach ein paar Wochen nochmal bei ihr gemeldet… geantwortet hat sie mir aber nie. Schade eigentlich.”

Ich bin mir nicht sicher woran es liegt, aber irgendwie höre ich in letzter Zeit immer häufiger, dass es so richtig FUNKEN muss, wenn man das perfekte Gegenstück gefunden hat. Aber sind wir mal ehrlich, wie oft passiert das wirklich? Ich habe mich selbst gefragt und kam zu einer klaren Antwort: Die Männer, in die ich mich ernsthaft verliebt habe oder mit denen ich eine Beziehung geführt habe, waren ALLE keine Liebe auf den ersten Blick. Kein Feuerwerk, keine Explosion. Sie hatten aber eines gemeinsam: Ich fand sie sympathisch, die Chemie hat gestimmt und von Treffen zu Treffen wurde die Sache klarer für mich. So ging es auch den Freunden, mit denen ich mich unterhalten habe… Ich lasse jetzt einfach mal offen, was sich daraus schließen lässt.

Hier haben wir eigentlich schon die beiden Punkte Anonymität und Angebot in der Praxis gezeigt, jedoch lassen sich aus diesen beiden noch zwei weitere Punkte ableiten, warum das Online-Dating so häufig in die Hose geht: Ehrlichkeit und Respekt.

Wie viele Personen date ich gerade gleichzeitig? Suche ich tatsächlich nach etwas Ernsthaftem? Habe ich der Person ehrlich kommuniziert, warum es zwischen uns nicht passt?

Ihr merkt sicherlich worauf ich hinaus will 😉

Obwohl man die Person, die man gerade datet aus der Anonymität des Internet kennengelernt hat, handelt es sich hierbei um eine Person mit realen Gefühlen. Man sollte sich deshalb immer vor Augen führen, dass man diese so behandeln sollte, wie man selbst behandelt werden möchte! Den Satz “Ja gut, war ja nur jemand von Tinder!”, hört man leider viel zu oft und ich erschrecke mich tatsächlich jedes Mal ein bisschen, wenn ich ihn höre. Leider gibt es immer wieder so genannte “Berufsdater”, die lieber auf Masse statt Klasse abzielen und gerne mal einen kleinen Scherbenhaufen hinterlassen, wenn sie als Ghoster von Dannen ziehen. Dazu von mir mal ein ganz ernstgemeintes: “EY! Ich und meine Freunde dürfen jedes Mal diesen Haufen aufkehren und wir haben alle keinen Bock mehr darauf!” Vollidioten, egal ob männlich oder weiblich, gibt es leider überall, also auch auf Tinder. Dessen muss man sich bewusst sein und deshalb nicht gleich die ganze App verteufeln. Die ist nämlich nur so gut, wie ihre Verwender!

Von den “Guten” gibt es nämlich auch einige und das zeigt sich in meinem Freundeskreis auch sehr deutlich. Es tummeln sich darin nämlich einige glückliche Tinder-Pärchen, die mit der richtigen Einstellung an die Sache “Partnersuche auf Tinder” gegangen und jetzt schon eine ganze Weile zusammen sind. Und was haben diese jetzt anders gemacht als die, bei denen es bisher noch nicht geklappt hat?

  • sich die Profile richtig angeschaut
  • Ihrem Match einfach geschrieben und nicht gewartet bis man angeschrieben wird
  • vor dem ersten Treffen und auch danach öfter mal telefoniert und nicht nur geschrieben
  • sich immer nur mit einer Person getroffen (so kommt man übrigens auch nicht durcheinander 😉 )
  • keine Spielchen gespielt, wie “Warten bis der andere schreibt” etc.
  • auch mal was außerhalb der eigenen Vier Wände unternommen
  • uuund, sie haben ihren vorherigen Dates, mit denen es nicht so lief dies auch ehrlich kommuniziert

Laut meiner kleinen Studie klappt es wohl genau so bei Tinder! Klingt jetzt fast schon brav und unglaubwürdig, aber mal ganz ehrlich: Genau so wünscht man sich das doch, also warum nicht einfach mal machen?

Im Grunde ist Tinder eine Plattform, die die Chance dazu bietet, Menschen kennenzulernen, die man sonst vielleicht nicht getroffen hätte. Nutzt man diese Chance so, wie es die glücklichen Pärchen meiner Befragung getan haben, gibt es keinen Grund für einige Vorurteile, die ich immer wieder über Tinder höre. Denn Tinder kann nur so gut sein, wie die Menschen, die es nutzen.

Noch mehr Tinder-Stories gibt es übrigens auf Jolie.de zu lesen. Hier und hier geht’s lang.

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